Die erste Niederlage der Saison. Nach einem starken Auftakt in die Meisterschaft mussten wir am Sonntag in der Tissot Arena die erste Schlappe hinnehmen – und das ausgerechnet gegen die U-21 von Young Boys, die wir in den drei vorherigen Aufeinandertreffen jeweils bezwungen hatten. Es war zugleich erst die zweite Heimniederlage in der Meisterschaft im Jahr 2026 (die erste hatte es im April ebenfalls gegen eine U-21-Mannschaft gegeben, damals 1:2 gegen den FC Basel).
Vor einer beachtlichen Kulisse von 1’012 Zuschauern und bei angenehm warmen spätsommerlichen Temperaturen entwickelte sich ein intensives, rasantes Duell zweier Teams, die unterschiedlicher kaum agieren konnten.
Beide Mannschaften starteten in einem geordneten 4-2-3-1. Wir wollten Fehler erzwingen und höher pressen, die Young Boys agierten abwartender und standen defensiv geschickt in einem 4-1-4-1 mit vielen Duellen im Mittelfeld und dem klaren Willen zum schnellen Umschalten nach Balleroberung. Just als wir uns nach gut 18 Minuten zu ordnen begannen, nutzte der ehemalige Bieler Junior Ocran (17) eine Nachlässigkeit auf unserem rechten Flügel. Ungestört flankte er in die Mitte, wo für Urbano für einmal niemand zuständig war – 0:1 nach einem Kopfball.
Die Antwort kam postwendend. Nur eine Minute später (19.) landete eine zu kurz geklärte Aktion von Macumi direkt vor den Füssen von Pululu. Der zögerte nicht und brachte den Ball in die Mitte zu Topscorer Dzonlagic. Der war mit einer instinktiven Bewegung schneller am Ball als sein Gegenspieler und köpfte zum verdienten 1:1-Ausgleich ein.
Was danach folgte, wird YB-Schlussmann Uebersax wohl noch lange in Erinnerung behalten. Unsere Offensive legte ein wahres Privatduell mit dem Berner Keeper hin und dominierte die Partie klar. Immer wieder suchten wir den Weg zum Tor und zwangen den jungen Goalie zu einer Reihe starker Paraden. Kadriu hätte nach einem sauber herausgespielten Angriff (23.) über Pululu treffen müssen, sein Abschluss blieb jedoch zu schwach. Wenig später (29.) erwischte derselbe Kadriu einen missglückten Pass aus 35 Metern und zirkelte den Ball nur knapp über die Latte. Pululu versuchte es darauf mit einer starken Einzelaktion (31.), doch Uebersax war zur Stelle. Die grösste Chance der ersten Hälfte (37.) ergab sich nach einem feinen Doppelpass zwischen De Oliveira und Dzonlagic – der Linksverteidiger scheiterte aus aussichtsreicher Position. Nur eine Minute später (38.) hatte Dzonlagic selbst den Rebound aus fünf Metern auf dem Fuss, setzte den Ball aber übers Gehäuse. Kurz vor dem Pausenpfiff (40.) knallte Pululu den Ball mit links an den Pfosten. Auf der anderen Seite hatte Ramadani einen Lattenknaller (42.), den Seyfu im Nachschuss per Kopf nicht mehr entscheidend abschliessen konnte. Auch der anschliessende Doppelpass (43.) zwischen Moulin und Dzonlagic brachte keinen Treffer, sondern lediglich einen Eckball. Trotz dieser klaren Überlegenheit und einer Vielzahl an hochkarätigen Möglichkeiten blieb es zur Pause beim 1:1.
Young Boys reagierte und brachte zur zweiten Halbzeit Küpfer für van der Sluis – ein Wechsel, der sich auszahlen sollte. Bereits in der 52. Minute bediente Küpfer mit einem Eckball den am zweiten Pfosten vergessenen YB-Kapitän Tschanz, der zur Überraschung aller zum 1:2 einschoss.
Unsere Angriffe wurden nun wütender, wirkten aber nicht mehr so harmonisch. Mit dem Doppelwechsel in der 58. Minute (Bouameur für Startelf-Debütant Kadriu und Vasic für Beltran) nahm der Druck auf die YB-Abwehr weiter zu, ohne dass wirklich zwingende Chancen heraussprangen. Eine Minute zuvor (57.) hatte Paviot den Ausgleich buchstäblich auf dem Kopf – Uebersax parierte den wuchtigen Kopfball erneut stark.
Als wir die Grundordnung etwas aufgaben, um unbedingt den Ausgleich zu erzwingen, erwischten uns die jungen Berner in der 71. Minute auf dem falschen Fuss. Küpfer hatte auf dem rechten Flügel alle Zeit der Welt, setzte sich durch und bediente den freistehenden Ocran. Dessen Direktschuss aus 16 Metern wirkte unhaltbar – 1:3. Ein Schock, zumal wir mit einem weiteren Sieg gegen die bislang schlecht gestarteten Berner den Vorsprung auf das Verfolgertrio Cham, Schaffhausen und Bulle weiter hätten ausbauen können.
Zumindest resultatmässig kamen wir durch den Anschlusstreffer von Kuzmanovic (75.) nach einem solid getretenen Eckball von Moulin nochmals heran – mehr aber nicht. In der Nachspielzeit gelang Young Boys U-21 noch ein Konter: Urbano spitzelte nach mustergültigem Zuspiel von Seyfu an Fohouo vorbei zum 2:4-Endstand.
Gemessen an den Chancen geht diese Niederlage wahrhaftig nicht in Ordnung. Weil wir zu wenig Flexibilität und Torgefahr bewiesen, ist der schmerzhafte Dämpfer jedoch ein klares Signal: Auch in solchen Spielen müssen wir den Fokus aufrechterhalten und dem Gegner keinen Raum für Konter im eigenen Stadion ermöglichen. Es wird eine wertvolle Lehre sein, vom eigenen Spielprinzip nicht abzuweichen und den unbedingten Siegeswillen weiter zu stärken.
Dennoch bleibt etwas Positives: Wir stehen weiterhin auf dem ersten Tabellenplatz. Die Spitze ist mit unserer ersten Niederlage allerdings näher zusammengerückt. Der nächste Gegner, Luzern U-21, sollte nicht unterschätzt werden – die Zentralschweizer zeigten am Wochenende gegen Breitenrain ein starkes Spiel, unterlagen am Ende aber dennoch 0:1. Wir sind gewarnt, werden aber auch gerüstet sein.
Meisterschaft – Promotion League
FC Biel-Bienne – BSC Young Boys U-21 2:4 (1:1)
Tissot Arena, Biel. – 1'012 Zuschauer. – SR: Dedukic.
Tore: 0:1 Urbano (18.), 1:1 Dzonlagic (19.), 1:2 Tschanz (52.), 1:3 Ocran (71.), 2:3 Kuzmanovic (75.), 2:4 Urbano (90+3.).
FC Biel-Bienne 1896: Fohouo – G. Samba (74. T. Samba), Kuzmanovic, Paviot, De Oliveira (74. Ssebunya) – Mäder, Kadriu (58. Bouameur) – Beltran (58. Vasic), Moulin (90. Abraham), Pululu – Dzonlagic.
BSC Young Boys U-21: Uebersax – Macumi, Zufferey, Ubaka (76. Damnjanovic), Smith (66. Bregant) – Tschanz, Ramadani (66. Isa) – Seyfu, Van der Sluis (46. Küpfer), Ocran (76. Agboton) – Urbano.
Bemerkungen: Biel-Bienne ohne Asani, Chihadeh, De Freitas, Maltet, Maurer, Tebib (alle verletzt), Jakob (gesperrt), Ombala (nicht im Aufgebot).
Karten: 8. Ubaka (gelb, Foul), 89. Zufferey (gelb, Zeitspiel), 90. Paviot (gelb, Foul).
